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Eigenbedarfskündigung in Berlin 2026: Neue BGH-Urteile stärken Vermieterrechte

von Fabian Bagusche

Eigenbedarfskündigung in Berlin: Aktuelle Rechtsprechung 2024–2026 und was Vermieter jetzt beachten müssen

Die Eigenbedarfskündigung gehört weiterhin zu den häufigsten Streitigkeiten im Wohnraummietrecht. Gerade in Berlin, wo Wohnraum knapp und die Wohnungssuche vielfach schwierig ist, stehen sich die Interessen von Vermietern und Mietern oftmals unmittelbar gegenüber. Während Vermieter ihr Eigentum selbst nutzen oder Familienangehörigen zur Verfügung stellen möchten, berufen sich Mieter häufig auf Härtegründe oder fehlenden Ersatzwohnraum.

Der Bundesgerichtshof hat in den Jahren 2024 bis 2026 mehrere wichtige Entscheidungen getroffen, die sowohl Vermieter als auch Mieter kennen sollten. Die aktuelle Rechtsprechung stärkt einerseits die Eigentumsrechte der Vermieter, konkretisiert andererseits aber auch die Grenzen zulässiger Eigenbedarfskündigungen.

Wann liegt überhaupt Eigenbedarf vor?

Nach § 573 Abs. 2 Nr. 2 BGB kann ein Vermieter das Mietverhältnis kündigen, wenn er die Wohnung für sich selbst, Familienangehörige oder Angehörige seines Haushalts benötigt. Maßgeblich ist dabei nicht, ob der Vermieter zwingend auf die Wohnung angewiesen ist. Ausreichend ist vielmehr ein ernsthafter und nachvollziehbarer Nutzungswunsch.

Der Bundesgerichtshof hat zuletzt erneut betont, dass Gerichte die persönliche Lebensplanung eines Vermieters grundsätzlich zu respektieren haben. Es kommt nicht darauf an, ob Außenstehende die Wohnentscheidung für besonders sinnvoll halten oder ob sich die Wohnsituation objektiv verbessert.

BGH stärkt Vermieter bei Umstrukturierungen im eigenen Haus

Besondere Bedeutung hat die Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 24.09.2025 (Az. VIII ZR 289/23). In dem Verfahren wollte ein Vermieter seine bisherige Wohnung mit dem Dachgeschoss verbinden und künftig die bislang vermietete Wohnung selbst nutzen.

Der Bundesgerichtshof stellte klar, dass auch in solchen Fällen Eigenbedarf vorliegen kann. Entscheidend sei allein, dass ein ernsthafter Selbstnutzungswunsch besteht. Die Gerichte dürfen dabei nicht ihre eigenen Vorstellungen von angemessenem Wohnen an die Stelle der Lebensplanung des Vermieters setzen.

Für Berliner Vermieter bedeutet dies eine erhebliche Stärkung ihrer Gestaltungsmöglichkeiten bei Umbaumaßnahmen und Wohnungswechseln innerhalb desselben Gebäudes.

Eigenbedarf für Cousins bleibt ausgeschlossen

Mit Urteil vom 10.07.2024 (Az. VIII ZR 276/23) hat der Bundesgerichtshof den Kreis der privilegierten Familienangehörigen erneut präzisiert. Danach können Vermieter eine Eigenbedarfskündigung grundsätzlich nicht auf den Wohnbedarf eines Cousins oder einer Cousine stützen.

Der BGH knüpft weiterhin an den gesetzlich anerkannten Familienkreis an, der sich insbesondere an den Zeugnisverweigerungsrechten im Zivil- und Strafprozess orientiert. Eine bloß besonders enge persönliche Beziehung genügt nicht.

Die Entscheidung schafft Rechtssicherheit und begrenzt zugleich die Möglichkeiten, Eigenbedarf auf entfernte Verwandtschaftsverhältnisse zu stützen.

Eigenbedarf durch eine GbR bleibt möglich

Besonders praxisrelevant sind die Entwicklungen zur Eigenbedarfskündigung durch Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR). Trotz der Reform des Personengesellschaftsrechts zum 01.01.2024 hält die Rechtsprechung bislang an der Möglichkeit fest, dass auch eine Familien-GbR Eigenbedarf zugunsten ihrer Gesellschafter geltend machen kann.

Mehrere Gerichte haben dies ausdrücklich bestätigt. Gleichzeitig unterliegen solche Gestaltungen weiterhin den gesetzlichen Sperrfristen des § 577a BGB, insbesondere wenn zuvor Wohnungseigentum gebildet wurde.

Gerade in Berlin spielt diese Frage eine erhebliche Rolle, da zahlreiche Mehrfamilienhäuser in den vergangenen Jahren in Wohnungseigentum umgewandelt wurden.

Härtefallwiderspruch gewinnt weiter an Bedeutung

Auch wenn eine Eigenbedarfskündigung wirksam ausgesprochen wurde, kann der Mieter unter bestimmten Voraussetzungen Widerspruch nach § 574 BGB erheben.

Besondere Bedeutung haben dabei gesundheitliche Einschränkungen, hohes Alter, psychische Erkrankungen oder das Fehlen angemessenen Ersatzwohnraums. Die Gerichte verlangen zunehmend eine sorgfältige Prüfung der individuellen Situation des Mieters.

Der Bundesgerichtshof hat mehrfach hervorgehoben, dass insbesondere bei drohenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen regelmäßig ein Sachverständigengutachten einzuholen ist. Dies gilt auch bei psychischen Erkrankungen oder Suizidgefahr.

Vorgetäuschter Eigenbedarf kann teuer werden

Besondere Risiken bestehen für Vermieter, wenn Eigenbedarf lediglich vorgeschoben wird. Stellt sich nach dem Auszug heraus, dass die Wohnung nicht wie angekündigt genutzt wird, drohen erhebliche Schadensersatzansprüche.

Betroffene Mieter können unter anderem Umzugskosten, Maklerkosten, höhere Mietaufwendungen und weitere Schäden geltend machen. Zudem gewinnen strafrechtliche Risiken zunehmend an Bedeutung. Die Rechtsprechung beschäftigt sich inzwischen verstärkt mit der Frage, ob vorgetäuschter Eigenbedarf sogar den Tatbestand des Betrugs erfüllen kann.

Was bedeutet die aktuelle Rechtsprechung für Berliner Vermieter?

Die Entscheidungen der Jahre 2024 bis 2026 zeigen eine klare Tendenz: Der Bundesgerichtshof stärkt die Eigentümerfreiheit und respektiert die persönliche Lebensplanung von Vermietern stärker als in der Vergangenheit. Gleichzeitig werden die Anforderungen an eine sorgfältige Vorbereitung und Begründung der Eigenbedarfskündigung immer höher.

Fehler im Kündigungsschreiben, unzureichend dokumentierte Nutzungsabsichten oder die Missachtung von Härtegründen können weiterhin zur Unwirksamkeit der Kündigung oder zu erheblichen Schadensersatzansprüchen führen.

Gerade im Berliner Wohnungsmarkt empfiehlt sich daher eine frühzeitige rechtliche Prüfung, bevor eine Eigenbedarfskündigung ausgesprochen wird.

Fachanwaltliche Beratung bei Eigenbedarfskündigungen in Berlin

Unsere Kanzlei berät und vertritt Vermieter und Mieter in Berlin bundesweit bei sämtlichen Fragen rund um die Eigenbedarfskündigung. Wir prüfen die Erfolgsaussichten einer Kündigung, unterstützen bei der rechtssicheren Formulierung des Kündigungsschreibens und vertreten Mandanten sowohl außergerichtlich als auch vor Gericht.

Wenn Sie eine Eigenbedarfskündigung aussprechen möchten oder eine solche erhalten haben, stehen wir Ihnen gerne für eine rechtliche Ersteinschätzung zur Verfügung.

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RA Fabian Bagusche
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